Lasst die Katze aus dem Sack!

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“Ich habe ES WAR EINMAL ALEPPO erst in Kindle Unlimited ausgeliehen und gelesen, dann gekauft. Nun möchte ich es verschenken.
Jennifer Benkau, bitte mach schnell ein Print!”

Nachrichten und Mails wie diese mehren sich langsam, und Jenny rutscht immer unruhiger auf ihrem Stuhl hin und her.
“Was hast du denn schon wieder?”, fragt Kira.
“Das mit den Prints”, sagt Jenny, “ist alles blöd. Bei dem einen Anbieter ist die Qualität nicht schön. Beim anderen wird der Verkaufspreis zu hoch.”
“Beim Dritten sind bei Amazon aber nie Bücher auf Lager – damit verschrecken wir die Leser”, wirft Daniela ein. “Kein Mensch wird Bücher kaufen, die nicht lieferbar sind.“
“Und bei Nummer vier passt zwar einiges, dafür ist der Buchhandelsrabatt ein Witz”, sagt Julia. “Kein Buchladen wird auch nur darüber nachdenken, uns ins Sortiment aufzunehmen. Außerdem würde ich eh am liebsten bei Druckerei Sonnenschein drucken. Die sind nett. Und drucken auf Ökopapier.”

Doch länger aufschieben können wir die schwierige Entscheidung nicht. Das ALEPPO-eBook braucht einen dicken, fetten Bruder aus Papier und schließlich steht auch KEEP ON DREAMING in den Startlöchern und möchte Anfang Dezember virtuell sowie zum Anfassen und Liebhaben auf die Reise in die Leserherzen gehen.
Daniela und Julia referieren über die Vor- und Nachteile, Franzi listet alles auf, Kira stellt immer wieder alles infrage und Jenny zieht am Ende ein Hölzchen.
“Okay, dann Anbieter vier”, sagt sie und seufzt angesichts der zwölf Monate, die sie sich dann an diesen binden muss. “Morgen, allerspätestens übermorgen mach ich alles spruchreif.”

In derselben Nacht bekommt Jenny eine Nachricht.
Jürgen vom Amrun-Verlag, den sie kürzlich auf einem Phantastik-Treffen kennengelernt hat, fragt nach, wie es denn eigentlich mit den Printrechten für ALEPPO aussieht … er hat Interesse an einer Lizenz. Die folgende Mail überfliegt Jenny erstmal bloß. Natürlich klingt das alles sehr nett und sie freut sich über das Interesse an ALEPPO … aber die Ink Rebels wollten ihre Bücher doch einheitlich bei einem Anbieter drucken lassen!
Und zwar mit dem Ink-Rebels-Label vorne drauf.
Wir sind wild und frei und unabhängig!
Wir sind Rebellen!
Hach, die eierlegende Wollmilchsau wäre auch zu schön gewesen …

Und dann stutzt Jenny. Denn Verlagsmensch Jürgen ist inzwischen nach eigener Aussage bei Kopf und Kragen angekommen und Jenny muss blinzeln und die ganze Mail noch einmal lesen!
Denn da steht es: … man könnte für die Ink Rebels eine eigene Edition machen …
Für die Ink Rebels?
Für ALLE Ink Rebels?
Holy Cow – holy Wollmilchsau!

Jenny trommelt sofort die Rebellinnen zusammen – am frühen Sonntagmorgen scharen sie sich alle um ihren Monitor und schauen gebannt auf die E-Mail.
Und dann geht die Post ab – heidewitzka!

Akribisch werden Vor- und mögliche Nachteile diskutiert und aufgelistet, ein Fragenkatalog und im Anschluss noch eine Wunschliste mit unseren 2715 wichtigsten Kriterien zusammengestellt. Allein die 2692 Anmerkungen, die Daniela mal wieder auf den letzten Drücker einwirft, müssen unbedingt bedacht werden. Nur das Finanzamt ist kritischer. Daniela könnte zum Finanzamt gehen. Daniela könnte das Finanzamt sein.

“Will der uns wirklich ungesehen die Bücher drucken?”, fragt Kira und klimpert staunend mit den Augen. Die Lektorinnen tätscheln ihr von links und rechts die Hände.
“Du kannst uns das schon glauben, wenn wir sagen, dass man …”
“… an einer Leseprobe erkennt, ob ein Autor was taugt.”
Und Kiras Leseprobe ist nun mal unwiderstehlich.

Am nächsten Morgen wird Julia – freundlicher Charme, überragende Kompetenz und eiskaltes Verhandlungsgeschick in einer Person – mit unserer Fragenliste ausgestattet ans Telefon gesetzt.
Daraufhin passiert erstmal nichts.
Wir warten. Und warten. Und warten.
Schließlich rauscht sie mit glühenden Wangen ins Büro. “Alles toll – alles super. Jürgen ist toll. Ich muss weg! Alles wird gut.”
Fort ist sie.

Die anderen sehen sich aus großen Augen an. Hier und da zittert eine Unterlippe.
“Kann sie doch nicht machen.”
“Ist nicht ihr Ernst.”
“Die lacht sich im Abstellraum wieder mit den Praktikanten über unsere blöden Gesichter kaputt.”
Aber die Praktikanten haben Julia auch nicht gesehen. Es ist ihr Ernst. Sie kann das machen.

Jenny setzt einen Notruf über Facebook ab, worauf ein gewisser Verlagsmensch Jürgen “Alles wird gut” antwortet. Die Praktikanten sind sicher: Jürgen und Julia setzen sich gerade auf die Malediven ab.

Aber schließlich kommt Julia ins Büro zurück und legt uns freudestrahlend druckfrische Verträge vor. Und in denen steht:

Die Ink Rebels bekommen ein eigenes Imprint.
Einfach so.
Weil Jürgen toll ist, die Ink Rebels auch, und weil Wunder manchmal geschehen, wenn man ihnen ein bisschen entgegen geht.

One Comment

  1. Wow, wie cool! Herzlichen Glückwunsch! 🙂

    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg
    Margot

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